Die 10 größten Minimalisten der Welt

Die 10 größten Minimalisten der Welt

Wer sind die größten Minimalisten der Welt? Minimalismus, Downgrading, Einfachheit – Schlagworte eines bewussten Umgangs mit Konsum und Lebenszeit. Wie viel Zeit hast Du und wozu willst Du sie nutzen? Wie viel brauchst Du und was sind materielle Wünsche, deren Besitz dich nicht glücklicher macht? Von Diogenes in seiner Tonne bis zu Steve Jobs im schwarzen Rollkragen gibt es unterschiedliche Ausprägungsrichtungen des Minimalismus. Da sie so unterschiedlich sein können, spreche ich lieber von Bewusstlust. Dieser Artikel wirft einen Blick auf große Persönlichkeiten, die dem Minimalismus ein Gesicht geben.

1. Der Erste:

Sicherlich einer der ersten Minimalisten der Weltgeschichte war Diogenes von Sinope. Im 5. Jhd. v. Chr. lebte er freiwillig in größter Bescheidenheit ohne festen Wohnsitz. Er tolerierte ausschließlich die Elementarbedürfnisse nach Essen, Trinken, Kleidung, Behausung und Geschlechtsverkehr, wobei keines dieser Bedürfnisse für ihn mit Genuss in Verbindung stand. Bisweilen führte ihn seine Suche nach einem Schlafplatz in eine Tonne. Als ihn Alexander der Große dort laut einer Legende nach seinen Wünschen gefragt haben soll, antwortete Diogenes: „Geh mir nur ein wenig aus der Sonne“. Diogenes übte Konsumkritik zu einer Zeit, in der das Wort Konsum noch Zukunft war. Damit gehört er sicher zu den radikalsten Minimalisten der Weltgeschichte.

2. Der Einsiedler:

Viele Jahrhunderte später zog sich der Amerikaner Henry David Thoreau 1854 in eine Blockhütte zurück und begann in seinem Buch „Walden oder leben in den Wäldern“ das einfache Leben zu beschreiben. Er verstand diesen Schritt als eine Art Flucht vor der Industrialisierung, die zu dieser Zeit Amerika vereinnahmte. Als literaturgeschichtlicher Klassiker hatte sein Buch großen Einfluss auf die Naturschutz- und 68-er Bewegung. Sein Leben versteht sich als eine Suche nach der Einfachheit.

„Diogenes übte Konsumkritik zu einer Zeit, in der das Wort Konsum noch Zukunft war.“
3. Der Perfektionist:

Ein weiterer Freund der Einfachheit ist Apple-Begründer Steve Jobs. Er ist sicherlich weniger durch innovationsscheue Gedanken als vielmehr durch eine praktische Veranlagung sowie ästhetischen Feinsinn zum modernen Vertreter des Minimalismus geworden. Er sagte einmal: „Einfach kann schwerer sein als komplex: Du musst hart Arbeiten, damit du klare Gedanken bekommst und es einfach machen kannst. Aber es ist es wert, weil du, sobald du angekommen bist, Berge versetzen kannst“. Eben diese Einstellung spiegelt sich in Steve Jobs Wortwahl und natürlich im einfachen und intuitiven Design der Apple-Geräte wider. Auch die Tatsache, dass Steve Jobs einen konsistent reduzierten Kleidungsstil kultiviert hat, zeigt, wie wichtig ihm die Einfachheit der Dinge war, um den Geist bedeutungsvolleren Themen widmen zu können.

4. Die Ordnungsverliebte:

Die Japanerin Marie “KonMari” Kondo hat sich als Aufräumspezialistin einen Namen gemacht. Sie hat zahlreiche Bücher zum Thema Aufräumen geschrieben, z.B. auch den internationalen Bestseller „The Life-Changing Magic of Tidying Up“ , und es wundert nicht, dass sie nun in Tokyo Menschen hilft, zu mehr Freiraum in ihren vier Wänden zu verhelfen. Insbesondere in Tokyo, einer dicht besiedelten Stadt, in der Wohnraum knapp und teuer ist, steigert es enorm die Lebensqualität, wenn wieder etwas mehr Luft in der Wohnung ist. Die Wartezeiten für eine Beratung durch Marie Kondo belaufen sich derzeit auf circa drei Monate.

5. Der Wegwerfer:

Ein Vorreiter des modernen Minimalismus ist der amerikanische Blogger Kelly Sutton. Auf seiner Website schreibt er „I was also known at one time for the Cult of Less. Now I have a girlfriend and a waffle iron, so we can all agree that project is likely over.“ Als er noch in seinem Blog aktiv den „Kult des Wenigen“ betrieben hat, minimierte er seinen Besitz auf maximal hundert Gegenstände. Ein ehrgeiziges Projekt, das aber bis heute noch neue Anhänger findet.

6. Der Rekordhalter:

Der Berliner Joachim Klöckner überbietet dieses Projekt noch, indem der 66-Jährige heute nur noch 50 Gegenstände besitzt (wenn man die Socken einfach gezählt). Eine radikale Form des Minimalismus, die sich bewusst vollends dem Konsum entsagt. Dabei konsumierte und sammelte er über Jahrzehnte hinweg Dinge wie jeder andere. Dann entschied er sich ein anderes Leben zu führen. Er schläft in einer Hängematte in der Mitte seines Zimmers. Sein Hab und Gut passt in einen Rucksack. Der Blog, den er einmal geführt hat, musste dem Minimalismus weichen.

„Sein Hab und Gut passt in einen Rucksack.“
7. Die Familienmenschen:

Die Umdenkerin Rachel Suhre stellt sich und ihrer Frage, wie Minimalismus mit Kindern in einer Familie gelebt werden kann. Auf „MamaDenkt.de“ schildert sie den bewussten und verantwortlichen Umgang, wenn Minimalismus mehr als eine Entscheidung für das eigene Ego bedeutet. Auch Raphael Fellmer beschreibt in seinem Buch „Glücklich ohne Geld“ wie eine Familie ohne Geld und Konsum glücklich leben kann.

8. Die Naturfreunde:

Die Rückkehr zu mehr Natur wird durch eine Reihe wandernde Downgrader propagiert: Christof Herrmann bloggt unter „Einfach Bewusst“ und schreibt Reiseführer. Der „Outdoor Minimalist“ Sven Passarge lebt seinen Minimalismus in und mit der Natur aus und schreibt über sein Leben sowie Bücher. Auch „Kreativwandern“ von Jonathan Ries ist ein Blog über ein naturverbundenes Leben. Jonathan hat seit 2011 seinen festen Wohnsitz aufgegeben und lebt unter freiem Himmel in einem Tipi.

9. Die Optimierer:

In gewisser Weise geht es bei Minimalismus stets um die Verbesserung des eigenen Lebens durch mehr Bewusstsein, mehr Zeit, mehr Genuss dank weniger Zeitfresser, weniger Konsum. Minimalismus ist damit eine Form der Fokussierung. Manche Persönlichkeiten haben sich besonderen Schwerpunkten angenommen: Während sich Werner Boote als Regisseur von „Plastic Planet“ für den Verzicht von Plastik einsetzt, betont Michael Klumb auf „Minimalismus leben“ wie viel wichtiger Momente gegenüber Besitztümern sind.

10. Dein Nachbar:

Last but not least sind all die Minimalisten zu nennen, die sich einem bewussteren Leben verschrieben haben, ohne dabei besonders radikal, effektiv oder erfolgsorientier vorzugehen. Das sind wohl die meisten Minimalisten, deren Namen auf keiner Website oder Blog zu lesen sind. Aber letztendlich sind diese es, die in ihren Familien und Freundeskreisen erst das Bewusstsein schärfen für die Frage, wie es auch anders gehen kann.

„Minimalismus ist damit eine Form der Fokussierung.“

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