Fernseh-Konsum Adieu

Fernseh-Konsum Adieu: Das verkaufen, was ich selbst nicht brauche

Fernseh-Konsum adieu? Ich habe Fernseher verkauft, obwohl ich nie einen kaufen wollte. Nein, das liegt nicht daran, dass ich TVs für moralisch bedenklich halte oder mich davor fürchte, dass die Heimelektronik explodieren könnte – auch wenn die letzten Wochen diese Gefahr ins Bewusstsein der Konsumenten rücken. Es ist für mich viel mehr eine Frage der Zeit. Ich habe einfach keine Zeit für ein Fernsehgerät, keine Zeit für Fernseh-Konsum. Es müsste ausgesucht, transportiert, installiert werden, bevor es beginnt, mich richtig viel Zeit zu kosten, wenn ich stundenlang davor sitze und drauf schaue.


Schreiben geht vor

Das klingt humoristisch, aber das meine ich absolut ernst. Mit fünfzehn begann ich aktiv zu schreiben – jeden Abend saß ich also entweder mit dem Notizbuch oder vor dem Computer, um mich mit Worten zu unterhalten. Bis heute kenne ich keine erfüllendere Beschäftigung für mich als das Schreiben. Meine Eltern widmeten sich parallel dem Tatort, Quiz-Shows und Spielfilmen. Ich denke nicht, dass sie sich darin wesentlich von anderen Haushalten unterschieden. Der Arbeitstag war lang und der Erschöpfung geschuldet scheint es nur logisch, dass sich der Geist abends nicht erneut mit Leistung, sondern Konsum befassen will. Mit fünfzehn konnte ich das nicht nachvollziehen.

„Ich habe einfach keine Zeit für ein Fernsehgerät, keine Zeit für Fernseh-Konsum.“
Den Leuten Zeug verkaufen, was sie nicht brauchen

Meinen Eltern sagte ich als junges Mädchen – halb im Ernst, halb im Scherz: „Muss cool sein, den Leuten Zeug zu verkaufen, das sie eigentlich nicht brauchen.“ Nicht, dass dies meine Motivation war Marketing Expertin zu werden. Es geht mir um die Emotionen, mit denen Menschen ihre Produkt- und Lebenswelt erleben. Dort kann das Marketing viel Gutes leisten, ohne dass es dabei um Produkte mit fraglichem Sinn und fraglicher Nachhaltigkeit gehen muss. Am Ende sind es schließlich Emotionen, die unsere Lebenswirklichkeit zu dem machen, was wir wahrnehmen. Das kann kühl und faktisch sein, aber eben auch sehr persönlich und Sinn stiftend.

 

Der Status in meinem Wohnzimmer ist mir gleichgültig

Mit 25 begann ich im Online Retail Fernseher zu verkaufen – eine Branche, die sehr faktisch und kühl mit Kunden kommuniziert. Eine Preis-Leistungskommunikation, die über die Jahrzehnte zu dem gewachsen ist, was sie heute darstellt: Design-Hardware mit smarter Software drin. Ein forderndes Business in einer Zeit, in der YouTube und Streaming den Zeitgeist prägen und das breite Spektrum der Ausgabegeräte vom Smartphone bis zur Heimkinoanlage reicht. Alles, was das Fernsehgerät noch rechtfertigt, ist der Statuswert. Als Generation Y Anhänger ist mir der Status in meinem Wohnzimmer gleichgültig. Daher wollte ich nie einen Fernseher, der mich vom Schreiben ablenkt, aber ein iPhone brauche ich dann schon. In der Hosentasche ist der Status schon ok. Da akzeptiere ich den hohen Neupreis, weil es mein mobiles Fenster zur Welt verkörpert, das Dialog statt Monolog verspricht.

„Als Generation Y Anhänger ist mir der Status in meinem Wohnzimmer gleichgültig.“
Meine Hypothese hat sich widerlegt

Nach meinen Erfahrungen im Fernseh-Verkauf weiß ich nun aber auch, dass sich noch genug Leute Statussymbole vor die Couch packen, um Tatort und YouTube zu sehen. Für mich wäre das ein Hindernis zur Aktivität, aber nennen wir es subjektiv. Meine Hypothese hat sich wiederlegt: Ist nicht so cool wie gedacht, den Leuten Zeug zu verkaufen, von dem ich selbst nicht überzeugt bin, dass sie es tatsächlich brauchen. Was nicht heißt, dass es nicht viele Menschen gibt, die den Fernseher durchaus als essentiell ansehen.
Wie denkt ihr über Fernseh-Konsum im Jahr 2017? Schaut ihr noch TV oder seit ihr selbst als Vlogger auf YouTube zu sehen? 

„Ist nicht so cool wie gedacht, den Leuten Zeug zu verkaufen, von dem ich selbst nicht überzeugt bin, dass sie es tatsächlich brauchen.“

Jetzt teilen

Jetzt kommentieren