Fragen zur Selbständigkeit

Fragen zur Selbständigkeit: Für Macher und Denker

Es geht in diesem Artikel um Fragen zur Selbständigkeit. Geschrieben habe ich den Artikel bereits im September in Taormina. Am Fuße des Etna habe ich den letzten Rest Sommer in Europa genoßen. Wenn auch nur für eine Woche, so hat es mir die nötige Ruhe geschenkt, um nach längerer Zeit wieder meine Gedanken in Worte zu fassen. „Es fühlt sich an wie der Anfang von etwas Neuem und es gibt kein schöneres Wissen, als dass diese Gefühle einen realen Grund haben. Vor einigen Wochen habe ich gekündigt. Entsprechend aufregend waren die letzten Tage.“

Wie sicher ist das monatliche Gehalt?

Es ist die Achterbahn der Gefühle sich von vertrauten Wegen zu lösen und die Sicherheit eines monatlichen Gehalts auf dem Konto aufzugeben. Zwei Fragen hierzu an euch: Wie sicher ist das monatliche Gehalt tatsächlich? Wie viel sicherer kann es sein als das Gehalt in der Selbständigkeit? Wir leben in einer Zeit von Bankenkrisen, Outsourcing und globalem Wettbewerb – davor ist auch kein Konzern gefeit. Damit ist der Eingang des Gehalts vielleicht weniger sicher als wir alle glauben. Ich will die Selbständigkeit nicht schön reden, aber sicherlich ist einer der großen Vorteile die damit verbundene Eigenverantwortung. Manche fürchten sie, andere genießen sie. Ich gehöre eindeutig zu Letzteren. Ich bin strukturiert, diszipliniert und weiß, was ich will. Selbst und ständig heißt es – doch in gewissem Maße ist der Arbeitseinsatz in der Selbständigkeit anpassbar an das, was Du brauchst. Natürlich vor allem dann, wenn Du bereits etabliert bist. Der Fokus deiner Arbeit ist in jedem Fall nicht länger fremdbestimmt. Wenn Dir etwas absolut nicht passt, genügt ein Nein – in einem großen Unternehmen bedeutet ein absolutes Nein meist Kündigung. Ja, wir sprechen hier über Pros und Cons und jedem das Seine.

„Vor einigen Wochen habe ich gekündigt.“
Was willst Du erreichen – den Status oder ein Lebensgefühl?

Die zweite Frage: Was willst Du und wie erreichst Du es? Nach dem Studium war die Vorstellung meines Alltags noch ziemlich abstrakt und wenig konkret. Ich war stolz einen adäquat bezahlten Job mit Prestigewirkung gefunden und bekommen zu haben. Ich war extrem motiviert und identifizierte mich mit meinem täglichen Tun. Das war und ist etwas, das mir Sinn gibt und viele positive Emotionen. Wenn ich etwas mache, will ich es zu hundert Prozent tun.

Der Flow im Startup versus Großkonzern

Allerdings unterscheidet das die Arbeit in Großkonzernen von der Startup-Mentalität. In Startups schlägst Du Dir für eine große Idee, eine sehr persönliche Sache die Nacht um die Ohren und bist glücklich, wenn Du bis zum Morgen wieder einen Schritt in die richtige Richtung gegangen bist. Du bist im Flow. In Großkonzernen kannst Du Dir ebenfalls vor dem PC die Nacht um die Ohren hauen und Du wirst über kurz oder lang auch mit Status und Karriere belohnt. Du bist im Flow, aber zugleich entsteht nun eine Abhängigkeit zwischen Dir und dem hierarchischen Kosmos des Unternehmens. Nur solange Du Dich in diesem Unternehmens-Kosmos bewegst, kannst Du Dich am Erlangten freuen. Darüber hinaus ragt die Frage, ob Du nun Teil des Unternehmens bleiben musst, um den Status auch halten zu können? Aus Unternehmenssicht macht diese emotionale Bindung absolut Sinn, aber tut es das auch für Dich? Die Anhäufung von Statussymbolen ist ein zeitlich begrenztes Glück, das meist schwächer als die Frage nach dem Lebenssinn wiegt.

„Du bist im Flow, aber zugleich entsteht nun eine Abhängigkeit zwischen Dir und dem hierarchischen Kosmos des Unternehmens.“
Symbiosen sind schwer aufzubrechen

Die Vorstellung meines erstrebten Alltags ist heute sehr konkret. Ich weiß, wie viel ich in materieller Hinsicht zum Leben brauche – als Minimalistin nicht so viel wie manch anderer, aber wenig ist noch viel genug – und ich weiß, was ich erreichen will. Das beziehe ich vor allem auf mein angestrebtes Lebensgefühl. Meine Freunde sind mir in dieser Hinsicht eine Art Spiegel. Wenn Du dich mit deinen Aufgaben positiv gefordert fühlst, dann bist Du offen für Neues. Du hörst zu, bist geduldiger und hast Zeit für Neugier. Wenn Du allerdings die Überforderung zulässt, hast Du wenig Sinn für andere. Du hast zu wenig Zeit für Freunde und das bedeutet, Du hast keine Zeit mehr in den Spiegel zu sehen. Du gehst eine symbiotische Beziehung mit dem Unternehmen ein. Das ist auch kein Problem, solange Du dein Lebensgefühl dort wieder findest.

Feuer lodert und verglüht

Wenn sich allerdings abzeichnet, dass dein Feuer nachlässt und einer zunehmenden Distanz weicht, solltest Du abwägen. In ein paar Jahren sich jeden Tag auf 17:00 Uhr zu freuen, um dann aus der Arbeit ins Privatleben zu fliehen, ist keine Perspektive. Insbesondere, da weitere private Entwicklungsschritte wie Familie und Kinder den Seitwertsschritt aus der beruflich eingeschlagenen Bahn erschweren. Das Learning ist: Der Mensch geht selten und ungern an allen Lebensfronten zugleich neue Wege. Daher vielleicht besser heute den neuen Schritt, bevor ich morgen zwei Schritte auf einmal gehen muss.

„Der Mensch geht selten und ungern an allen Lebensfronten zugleich neue Wege. .“
Realismus und Bauchgefühl zählt

Das sind heute sehr persönliche Gedanken und viele Fragen zur Selbständigkeit. Vielleicht denke ich in ein paar Jahren anders darüber. Ich bin gespannt. Vor einigen Wochen habe ich auf jeden Fall gekündigt, weil ich es liebe, mit bestem Gewissen meine Arbeit mit Herzblut und Passion zu tun. Es hat mich viel Mut gekostet, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es richtig war. „Jetzt heißt es kühlen Kopf zu bewahren, dass das Gefühl auf Tatsachen wurzeln kann. Ab Januar 2017 bin ich selbständige Marketingstrategin und Lifestyle-Bloggerin. Am Fuße des Etna atme ich tief durch und denk voll Dankbarkeit an meine Familie und Freunde – Menschen, die mich spiegeln, halten und begleiten.“

Ein Rückblick auf die Fragen zur Selbständigkeit

Inzwischen ist es Ende Januar und ich bin voll und ganz in der Selbständigkeit angelangt. Die Bauchstimme summt noch immer zufrieden und die ersten Aufträge sind realisiert. Ich denke, für einen ersten Arbeitsmonat ist das ein gutes Resümee und natürlich wünsche ich mir, dass es ebenso weiter geht. Fortsetzung folgt… 😉

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