Von Wunschlisten und Erwartungsbarrieren der Generation Y

Von Wunschlisten und den Erwartungsbarrieren der Generation Y

Generation Y: 90 geboren, bin ich ein Kind, dass keine Mauern in Deutschland kennt. Die große Freiheit und der große Individualismus begannen für uns bereits als Kind, während Generationen vor uns für jeden Schritt in die Freiheit lange protestieren, kämpfen, manche sogar sterben mussten. Generation Y
beginnt formal genommen mit den 80ern. Da ich selbst erst 90 kam, kann ich für die 80er nicht sprechen. Was interessiert mich auch das Vergangene, wenn ich doch für die Zukunft lebe?

Es geht in erster Linie um sie selbst, den Lebenssinn, die ureigenen Ziele.

Bereits diese Message zeigt den Radius der Generation Y auf. Eine gesunde Welle Egoismus schwingt stets im Denken und Handeln dieser kritischen Selbstverwirklicher mit. Es geht in erster Linie um sie selbst, den Lebenssinn, die ureigenen Ziele. Das macht Generation Y zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten, die zugleich mit hohen Erwartungen in eine Zukunft blicken, die ihre Versprechen nur selten halten kann. Nur Arbeit kann es im Leben nicht sein. Vor allem dann, wenn alles, was die Arbeit bringt, mehr Kaufkraft ist. Spaß ist gesund und ohne Work-Life Balance hat die Story den verkehrten Spin.

Wie eingangs erwähnt sind die großen Schlachten längst geschlagen, als Generation Y wohl behütet in Frieden und Wohlstand groß wird. Die Babyboomers und Generation X haben das Nest gebaut. Die Wünsche der kleinen Ypsilons liest ihnen die Familie von den Augen ab. Noch ein Spielzeug? Ja, gerne. Noch ein Eis zum Dessert? Immerzu. „Es wird Dir an nichts mangeln, was man kaufen kann.“ Wer sich nicht um die Erfüllung von Grundbedürfnissen sorgen muss, hat Zeit für lange Wunschlisten an die Eltern. Die verfügen über die finanziellen Mittel, um in den Einkaufstempeln der Stadt Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Die Chance den eigenen Kindern mehr bieten zu können als man selbst einmal hatte, erfüllt. Zudem zählt die moderne Familie nur mehr drei bis vier Köpfe, was am Ende mehr Haben für jeden einzelnen bedeutet. Das Geld ist zwar endlich, aber offenbar der erfüllende Schlüssel zu noch mehr Konsum. Kinderaugen leuchten, und ihre Eltern sehen Sinn in ihrem Tun. Generation Y soll es besser haben und vor allem leichter. Soviel zur Frage, wie die hohen Erwartungen entstehen. Am Anfang stehen Wunschlisten.

Zugleich ist das eben jene Phase, in der aus den Kleinen große Performer werden…

Je älter die Kinder, desto größer die Wünsche. In den Jahren der Schule und Ausbildung wachsen die Erwartungen weiter an. Die besten Schulen, die höchste Ausbildung, die Auslandssemester ebnen den goldenen Weg, um es im Leben einmal leichter zu haben. Zugleich ist das eben jene Phase, in der aus den Kleinen große Performer werden, die ihren individuellen Look entdecken und die großen Fragen nach dem Wohin stellen. Natürlich wird ein Ypsilon seinen Weg gehen. Nicht nur, weil er zu den geburtenschwachen Jahrgängen gehört und daher gute Mitarbeiter rar sind, sondern weil er in jungen Jahren schon einen großen Erfahrungsschatz mitbringt. Interkulturell gebildet, weltoffen, flexibel sind Ypsilons wahre Kosmopoliten. Manko sind die hohen Erwartungen, mit denen sie ins Berufsleben starten. Arbeiten bis zum Burnout? Fehlanzeige. An den Eltern haben sie gesehen, wohin die fehlende Work-Life Balance führt. Arbeiten und Konsumieren, um die entgangene Lebenszeit zu kompensieren, ist kein Modell. Erfüllend und inspirierend soll der perfekte Job für Generation Y sein.

Da gibt es Startups und eine Reihe jung denkender Unternehmen, die diese neue Generation verstehen. Von Projektarbeit bis Home Office ist alles dabei, was Teamgeist, Ownership und flache Hierarchien angeht. Konservativ statische Führungsebenen sind hingegen eine echte Herausforderung – sind es doch Modelle, in denen ungeliebte Aufgaben meist am unteren Ende der Kette hängenbleiben. Der Ypsilon, der immerzu zum Denken angehalten wurde und während seiner Auslandspraktika bereits viel Verantwortung inne hatte, wird sich in dem Moment innerlich abwenden, in dem er zum stupiden Abarbeiten verdonnert wird. Ähnlich verhält es sich mit Kritik. Die verträgt er zwar, aber nur von Personen, die er auch respektiert. Im Prinzip sind das keine revolutionären Neuerungen, die Ypsilons von anderen Generationen unterscheiden. Was sie jedoch differenziert, ist ihre Bias for Action. Sie fordern proaktiv sinngebende Arbeit ein. Sie achten auf sich, ihre Gesundheit, ihre innere Stimme. Bevor es wirklich ernst wird, kann immer noch der Punkt gekommen sein, an dem sie gehen. Herausforderungen gibt es auf der Welt genug. „Warum also hier und heute, wenn ich auch mit weniger leben kann? Aber einen Firmenwagen gibt es auch? Ach so, aber nein, lieber nicht. Eigentlich will ich jetzt ein Jahr auf Weltreise gehen.“

Grenzen setzt nicht das Leben, sondern unser eigener Kopf.

90 geboren, fragt sich der Minimalist, wie er sich selbstverwirklicht. Wir kennen keine Mauern in Deutschland mehr. Unsere Barrieren sind die hohen Erwartungen an unser Leben und uns selbst. Generation X hat das Nest gebaut, Generation Y will auch darin leben. Grenzen setzt nicht das Leben, sondern unser eigener Kopf.

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