Sonne im Herzen oder das Kleid auf der Haut

Sonne im Herzen oder das Kleid auf der Haut?

Sonne im Herzen oder das Kleid auf der Haut? Zeit für übertriebene Gedanken. Macht dich ein neues Kleid glücklicher als der Duft des Frühlings? Die milde Frühlingssonne auf der Haut? Ein Abend mit guten Freunden?

Wie viel Zeit kostet es ein Kleid zu kaufen?

* Die Arbeitszeit, um das dafür nötige Geld zu verdienen.
* Die Zeit, um das Kleid zu finden.
* Die Zeit, um es zum besten Preis zu kaufen.
* Schließlich folgt die Frage, wo du es im Kleiderschrank „lagern“ sollst.
* Die wenigen Momente, in denen Du es aktiv und zufrieden trägst und darin Aufmerksamkeit ziehst.
* Dann liegt es wieder lange nur im Schrank, bis du einen guten und möglichst verlustarmen Weg findest das Kleid wieder an Freunde, eBay oder die „arme dritte Welt“ abzugeben.
Und das alles für ein Kleid? Wie viele Kleider besitzt Du? Wie viele Dinge? Meine Bereitschaft diesen zeitintensiven Prozess auch nur ein einziges weiteres Mal zu durchlaufen, strebt gegen null.
Glücksmomente sind oft ungeplant und flüchtig und allzu schnell vorüber, wenn wir uns nicht auf sie einlassen. Gründe sich ihnen zu verwehren sind schnell gefunden: Termine, Arbeit, Shopping – der Ansporn noch mehr, noch höher und weiter zu fliegen. Prioritäten boykottieren unsere Spontaneität – insbesondere dann, wenn „Termine“ wie eine Wanderung in die Berge oder ein Frühstück mit Freunden keinen unmittelbaren funktionalen Nutzen versprechen. Das erfordert ein Umdenken von noch mehr, noch höher, noch weiter auf weniger, tiefer und näher. Ein näher rücken zu anderen sowie Dir selbst. Am Ende geht es einzig darum, sich die Zeit für private Glücksmomente zu gönnen.

„Termine, Arbeit, Shopping – der Ansporn noch mehr, noch höher und weiter zu fliegen.“
Zeit ist Geld

Was der Seele gut tut, schadet der Kaufkraft – so der ungeschriebene Trugschluss, der sich hinter der „Zeit ist Geld“ Mentalität verbirgt. Was passiert? Es führt zu Zeit ist Luxus und einer ausgeprägten Konzentration auf beruflichen Erfolg, Geschäftstermine, Strategien und Kopfmarathon. Die echten Ruhephasen rutschen auf der Agenda immer tiefer, bis sie ganz verschwinden.
Und am Ende das alles für ein Kleid? Für zwei Kleider? Für drei? Natürlich schreit das nach Widerspruch, denn für einen selbst geht es stets um weitaus mehr als nur ein Kleid. Es geht um Aufstieg, Status, Chancen, materielle Sicherheit. Was auch absolut nachvollziehbar ist und ein Stück weit in der Natur des Menschen verankert liegt. Wichtig ist am Ende nur, dass man sich seines Glücks bewusst ist: die milde Frühlingssonne auf der Haut kann auf der Seele wärmer sein als das schönste Kleid. Ein bisschen Bewusstlust und Minimalismus schaden nicht.

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