Ab in die Tonne Lovos

Ab in die Tonne: LOVOS, einfach leben, glücklich sein

Was is LOVOS? „Ab in die Tonne“, würde Diogenes sagen, um dem Überfluss zu entfliehen. Zu viel von allem: Plastiktaschen, Zucker, Kunststoff, Stress, Süßigkeiten und Reizüberflutung. „Ab in die Tonne“ mit dem ganzen unnützen Kram sagen die Freunde des einfachen Lebens und üben sich in Konsumverzicht.

Bist Du LOVOS oder LOHAS?
Während LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) für einen bewussten und gezielten Konsum eintreten,  stehen LOVOS (Lifestyle of Voluntary Simplicity) für Minimalismus, Einfachheit und Konsumverzicht. Damit sind die LOVOS weniger interessant für das Marketing als die Zielgruppe der LOHAS, welche dem Konsum zwar reflektiert, aber nicht ablehnend gegenüberstehen. Ein LOVOS konsumiert also vielmehr aus der Notwendigkeit heraus, während der LOHAS den Konsum von biologisch und ethisch vertretbaren Produkten durchaus als Genuss auffassen kann. Auch ist der bewusste Konsum nachhaltiger Produkte als Form der Selbstinszenierung auslegbar, da die Wahl der reinsten Lebensmittel und das Tragen ungiftiger Textilfasern Selbstachtung ausdrücken. Selbstachtung kennt auch der LOVOS, aber in einer anderen Form: Der Geist soll sich von der Anschaffung und Pflege von Dingen lösen und anstelle dessen wieder das Gefühl finden bei sich selbst anzukommen und in sich zu ruhen.

Entspannen dank LOVOS

Es ist die tiefe Sehnsucht nach Sinn, die das Leben verändert.

Was suchen Menschen im LOVOS Lebensstil? Entspannung vom Statusstreben, Alltagszwang, Materialismus und sinnentleertem Aufgabendruck sind eine große Motivation, um eine Kehrtwende einzuleiten. Die Sehnsucht nach Status verführt zu mehr Arbeit und mehr Disziplin, um mehr Geld zu verdienen und um noch mehr zu erreichen. Der externe und interne Druck nimmt dadurch zu und macht krank, sofern der Mensch keinen gesunden Ausgleich pflegt. Eine mögliche Entlastung kann darin liegen sich diesem System zu entziehen. Wie radikal dieser Entzug ausfällt ist ganz subjektiv und individuell verschieden. Der eine beschließt ein konsumkritischer Verbraucher zu werden oder jeden Abend zu meditieren, während der andere zum minimalistischen Aussteiger wird und sich komplett von gesellschaftlichen Normen wie Zwängen distanziert. Ich würde sagen, dass niemand von Geburt an LOVOS ist – er entwickelt sich vielmehr dazu im Laufe der Zeit, um wieder ein selbstbestimmteres und erfüllteres Leben zu führen. Es ist die tiefe Sehnsucht nach Sinn, die das Leben verändert.

Wirtschaftliche Veränderungen möglich
Diese Sehnsucht kann auf das Selbst einwirken, aber auch auf ein gesellschaftliches Umdenken. Auf dem Arbeitsmarkt lassen sich bereits erste Vorboten dieses Umdenkens ausmachen. Exzellent ausgebildete Hochschulabsolventen streben nach wie vor nach Karriere und Aufstiegschancen, aber lange nicht mehr um jeden Preis. Mitarbeitern wird es immer wichtiger sozial vertretbare und nachhaltig produzierte Produkte und Dienstleistungen zu vertreten. Firmenkultur und -Philosophie sollten Identifikation ermöglichen.
Zudem genießt die Work-Life-Balance für Generation Y einen hohen Stellenwert. Hierzu passt auch, dass der Begriff “voluntary simplicity” erst im Jahr 1981 von dem Sozialwissenschaftler Duane Elgin geprägt wurde.
Durch den bewussten Konsumverzicht sparen LOVOS in der Regel einiges an, sofern sie sich beruflich nicht ebenfalls verändern und entscheiden mit einem geringeren Gehalt genauso glücklich zu leben. Sofern die freien finanziellen Mittel nicht in Erlebnisse und Reisen investiert werden, kann das Geld natürlich auch nachhaltig am Kapitalmarkt angelegt werden. Hierzu ist es allerdings wiederum voraussetzend, dass die Unternehmen auch nachhaltige Werte verkörpern und Anreize schaffen, um für LOVOS-Anhänger interessant sein zu können. Denn wenn es den LOVOS um eines nicht geht, dann ist es das Geld um des Geldes wegen.

Ideen für LOVOS Anfänger
Zum krönenden Abschluss noch ein langer Satz mit vielen praktischen Ideen: Bevor Du deinen Besitz wie David Bruno radikal auf hundert Dinge reduzierst, solltest Du Dir kleine Herausforderungen suchen wie zum Beispiel den Kleiderschrank aussortieren, selbst Gemüse im Garten anpflanzen, jede Neuanschaffung auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen, nochmal eine Nacht über den Kaufwunsch schlafen, Bekanntschaften von Freunden trennen, die Gegenwart genießen und vor allem Prioritäten setzen. Manchmal ist „Ab in die Tonne“ unwahrscheinlich befreiend. Probiert es aus. Ich bin gespannt von euren Aktionen zu hören.

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