Mein MacBook ist weg

Hilfe, mein MacBook ist weg

Hilfe, mein MacBook ist weg. Es wäre leicht, wenn sich hinter diesem Titel ein Gedankenspiel verbergen würde. Leider ist dem nicht so. Heute muss es ohne Beitragsbild via iPad gehen. Das MacBook ist weg. Welch Glück, dass ich das iPad noch habe!

Vor wenigen Tagen habe ich am 20. April über die Frage gebloggt, ob die Liebe zu Dingen noch Minimalismus sein kann. An oberster Stelle meiner materiellen Favorites habe ich mein MacBook genannt. Und ja, ich gebe zu, als ich gestern Nacht erkennen musste, dass es weg ist, habe ich einige Krokodilstränen vergossen.

Seit ich diesen Blog schreibe, bin ich immer wieder überrascht wie viele kuriose, bewegende, traurige und glückliche Ereignisse das Leben kreuzen und dann day by day in Vergessenheit geraten. Jeder geschriebene Artikel wird mich in Zukunft vor dieser Art des Vergessens bewahren.

Heute also eine Story – gestern erst geschehen – und lieber würde ich über die Stille auf dem Meeresgrund oder das vegane Essen Thailands philosophieren.

Die Strandvilla hat natürlich einen Save. Reisepass, Portemonnaie und Co sind darin. Das MacBook lege ich allerdings auf das Nachtkästchen. Das hat damit zu tun, dass ich gern vor dem Einschlafen noch ein paar Zeilen tippe. Gegen 18:00 Uhr habe ich noch eine Mail geschrieben, das MacBook mitsamt Headphone an das Ladegerät gehängt und mich dann auf den Weg zum Sunset-Drink gemacht. Terrassentür und die Tür zum Poolzugang waren abgesperrt. Nach dem Drink und anschließendem Dinner kehren wir in die Villa zurück. Ich sehe auf den ersten Blick, dass mein MacBook fehlt und überdies auch Headphone und Ladegerät. „Verdammt“, sage ich und frage mich, wo der Room Service beim Betten machen so etwas Großes verlegt haben kann. Mein Freund hat noch einen Call, während ich im Hintergrund das Zimmer auf den Kopf stelle. „Hier ist grade großer Trouble. Meine Freundin findet ihren Computer nicht mehr,“ erklärt mein Freund entschuldigend, nachdem ich im Eifer meiner Suche für ein paar Sekunden die gesamte Energieversorgung der Villa lahm gelegt habe. „Haha, wenn Frauen ihre Sachen nicht mehr finden“, lacht es aus dem Off des Lautsprechers.“

„So ein Idiot! Bin ich denn im falschen Film?“, frage ich mich. „Hilfe, mein MacBook ist weg! Ich habe doch kein Blackout und das ist alles, was dem Typen dazu einfällt!“

Nach gefühlten Stunden ist der Call endlich zu Ende und auch mein Freund begibt sich auf die Suche nach seinen Apple Geräten. Sein Arbeits-Computer ist da. Sein Business Phone war ebenso wie mein iPad und iPhone beim Dinner dabei. Es fehlen allerdings sein iPad und sein privates iPhone sowie Kleinkram auf dem Nachtkästchen.

Langsam dämmert uns, dass hier weder wir selbst noch der Room Service etwas verlegt haben. Hier wurde eingebrochen. Wir verlangen Polizei und Manager, um sich der Sache anzunehmen. Wenige Minuten später steht der Hotel Manager in der Villa und begutachtet mit uns alle Türen und das Dach. Die Tür zur Outdoor-Dusche hat kein Schloss. Zwar soll eine hohe Mauer vor dem Eindringen schützen, doch vom Dach aus ist es nur ein Katzensprung in die Dusche. Eine Barriere gibt es nicht. Auf dem Boden liegt viel trockenes Laub, das vor dem Dinner dort sicher noch nicht lag. Irgendjemand scheint über Dach und Dusche einen Weg in die Villa gefunden zu haben, um sich dort an der Elektronik zu bedienen. Erst das Mac Book auf dem einen Nachttisch, dann das iPhone auf dem anderen Nachttisch und schließlich das iPad in einer Tasche auf dem Sofa. Seltsam daran ist, dass das zweite MacBook auf dem Arbeitstisch unberührt blieb. Der Einbrecher hat es wohl einfach übersehen.

Das Management lässt die Aufzeichnung der Video-Kameras sowie Taschen und Spinde des Personals überprüfen. Weder hier wie dort werden sie fündig. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Eindringling einen Tipp bekommen hat und dann in der Dämmerung über den unbewachten Strand eingedrungen ist. Am Strand gibt es keine Kameras. Um halb sieben zum Sunset sitzen alle Urlauber romantisch umschlungen in den Bars und sehen sich das Naturspektakel an. Der perfekte Zeitpunkt, um zuzuschlagen…

Soviel dazu. Natürlich basiert dieser Ablauf auf subjektiven Annahmen, die so oder so ähnlich zutreffen könnten. Tatsache ist nur, dass drei Apple-Geräte verschwunden sind. Die Polizei schreibt dazu ihren Report handschriftlich. Einen Computer gibt es nicht. Das Leben geht weiter. Wir sprechen von Glück im Unglück. Uns geht es gut. Reisepässe sind auch noch da und dank der verbliebenen Elektronika sind wir von der Welt noch lange nicht abgeschnitten. Der materielle Verlust ist ersetzbar. Es bleibt ein seltsames Gefühl, sich der emotionalen Abhängigkeit von dieser virtuellen Welt bewusst zu werden. Elektronika sind de facto lediglich unsere Joker, um „mitzuspielen“. Ohne iPad hätte das Spiel gestern Abend eine jähe Pause erfahren.

Sende heute nachdenkliche Grüße aus Koh Samui,

Rebecca

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