Macht Umdenken einsam

Bewusst fragen: Macht Umdenken einsam?

Macht Umdenken einsam? Jeden Tag setzen wir uns Prioritäten. Wir entscheiden uns offline Freunde zu treffen oder online zu gehen. Oft tun wir beides, ohne uns dabei der einen oder der anderen Welt zu nähern. Wir entscheiden, was wir erreichen wollen, mit wem und wie schnell. Wie oft betreffen deine Ziele nur dich selbst? Wie produktiv bist du? Wie selektiv? Fokus ist wichtig, um weiterzukommen. Das ist schon wahr.

Alltagstrott

Gemeinsame Ziele sind wichtig, um das, was Du bereits besitzt, nicht zu verlieren. Es ist Samstag. Die Sonne scheint. Ein Tag, um dankbar zu sein und die Seele zu pflegen. Das meine ich, wie ich es schreibe. Eine Woche online steckt in den Augen. Entwicklungsgraphen und Neonlicht erschöpfen den Geist. Zum Ausgleich wartet abends auf Facebook die Reizüberflutung gemäß des Mottos: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück. Danach fühle ich mich immer ein bisschen einsamer.

Wo sitzt das Ich?

Ein guter Freund sagt, dass einzig unser Kopf entscheidet, was wir sehen wollen und wie viel. Er sagt, dass Menschen befragt wurden, wo das Ich in ihnen sitzt. Ausgeglichene Menschen orten das Ich im Kopf, überforderte Menschen empfinden das Ego als Einheit, die den ganzen Körper umfasst. Ich bin mir nicht sicher, was ich von dieser Theorie halten soll. Vermutlich sind es erst körperliche Schmerzen, die den Kopf von seinem Thron holen. Wer Schmerzen fühlt, kann den Kopf nicht mehr absolut setzen und gewährt auch dem Körper sein Mitspracherecht. Schmerz ist am Ende nichts weiter als der Ruf nach Wahrnehmung und eine Forderung nach veränderten Prioritäten. Das sollte man sich einfach bewusst machen.

Gewitter im Anzug

Das traumhafte Wetter ändert meine Prioritäten grundlegend. Ich will das Grün in den Augen spüren, ein Stück Himmel atmen, die Momente absoluter Ruhe und Freude teilen. Ein gemeinsamer Ausflug ins Grüne macht den Wunsch wahr. Doch kaum angekommen am See, zieht mein Begleiter sein iPhone aus der Tasche. Nichts weiter gibt es zu sagen. Zu allem Überdruss zieht ein Gewitter auf. Der Himmel färbt sich grau. Wir fahren zurück in die Stadt.

Die eigene Angst vor Unproduktivität

Oft gibt es für gesetzte Prioritäten keine Alternative. Der Fokus lässt es nicht zu. Die Produktivität auch nicht. Es ist ein großer Schritt sich einen Tag ohne messbares Ergebnis zu gönnen. Manchmal gelingt es nicht mehr. Online setzt mein Begleiter die Suche nach Produkten fort. Nichts sage ich. Nichts bedeutet es mir. Weil ich ihn liebe, nehme ich seine Prioritäten an. Während ich mich von Ballast befreie, – Stichwort Minimalismus – um wieder offline Zeit für ein gemeinsames Leben zu gewinnen, befreit er sich von alten Dingen, um sich die gleichen Dinge neu zu holen. Der gemeinsame Zeitgewinn bleibt bei null.

Umdenken als Anker

Macht Umdenken einsam? Uns macht mein Umdenken nicht frei, solange jeder in seinen eigenen Prioritäten lebt. Das hätte ich lange wissen können, aber erst heute habe ich es gelernt. Allein bin ich in den Park gegangen und habe mich mit meinem iPad in die Sonne gelegt. Paare laufen Händchen haltend vorbei. Ich schreibe. Die gemeinsame Zeit offline ist es nicht, aber dafür das erfüllende Gefühl schreibend ganz bei mir zu sein. Es gibt nichts Verlässlicheres als die eigenen Prioritäten. Daher fasse ich den Plan mir ein Stück Freiheit zu schenken: Ein Experiment.

Ein Traum

Was wäre, wenn ich morgens aus der Tür gehe und ohne Ziel in eine der vielen Richtungen laufe? Alles, was ich entscheide, ist gut so wie es ist. Es gibt keinen Druck zu einer fixen Zeit an einem fixen Ort zu sein, kein richtig, kein falsch. Für diese Erfahrung muss ich nicht als Backpacker ans andere Ende der Welt fahren. Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute ist so nah. Ich will diesen Tag vor meiner Haustür beginnen.

Wovon träumst Du? Wie wichtig sind Dir deine Prioritäten? Wie helfen sie Dir weiterzukommen? Wie bremsen sie Dich?

Jetzt kommentieren