Minimalismus als Ausdruck des Generationenkonflikt

Minimalismus als Ausdruck des Generationenkonflikt?

Alle Entwicklungen befolgen Wellenbewegungen. Auf Hochs folgen Tiefs, aufs Tiefs folgen Hochs. In Phasen des Habens entsteht die Sehnsucht nach mehr Sein. In Phasen des Seins blüht der Gedanke an mehr Haben. Was Du nicht hast, das reizt.

Nachkriegsgeneration: Womit kann ich überleben?

Nach dem Krieg stellten sich den Deutschen existentielle Fragen. Wie kommen wir über die Runden und wohin mit den Ängsten der Vergangenheit? Teilen war angesagt und der materielle Mangel zwang die Menschen zu Minimalismus und Sparsamkeit. Die sogenannte „Lost Generation“ der Kriegsjahre wurde durch die Baby Boomers abgelöst. Die Geburtenraten stiegen wieder an. Es war nicht die große Zeit der Selbstverwirklichung, wenngleich das Bedürfnis danach langsam aufkeimte. Das Marketing etablierte sich und erstmals war das Angebot größer als die Nachfrage. Aus Menschen mit dem Nötigsten wurden langsam kaufkräftige Kunden.

Generation x: Womit bin ich erfolgreich?

Generation X oder auch Generation Golf sind die Kinder der Baby Boomers. Das Streben nach Status und Erfolg ist dieser Generation in die Wiege gelegt. Erzwungener Minimalismus war gestern, Konsum und Markenbewusstsein sind die neuen Erfolgssymbole. Wer seine Eltern beeindrucken will, der kauft das Auto, von dem Papa einst nur träumen konnte. Konsum macht das Leben reicher und auch etwas glücklicher.

„Wer seine Eltern beeindrucken will, der kauft das Auto, von dem Papa einst nur träumen konnte.“
Generation y: Womit bin ich glücklich?

Generation y fragt hingegen, warum sie mehr Konsum noch glücklicher machen soll? Sie haben schließlich von Anfang an alles, was man sich nur wünschen kann. Materiell abgesichert sehen sie sich mit der Qual der Wahl konfrontiert, was man aus seinem Leben alles machen kann. Hauptsache glücklich sein, denken sie, aber was sie genau glücklich macht, ist selten klar. Der eben gefasste Plan gerät meist dann wieder ins Wanken, wenn Kritik oder Widerstände den Weg kreuzen. Generation y hat nicht den Biss der Generation x, weil der Erfolg nur dann erstrebenswert scheint, wenn er auch glücklich macht. Dann – so die Konsequenz – doch lieber wenig haben und brauchen, aber dafür glücklich sein. Der Minimalismus als frei gewählter Weg der Simplifizierung ist geboren.

Der Generationenvertrag

An und für sich ist der Generationenvertrag eine schlaue Form der Altersabsicherung. Der Haken an der Geschichte ist, dass der Generationenvertrag auf der Annahme basiert, dass die Geburtenraten der Jahrgänge annähernd gleich groß ausfallen. Dem ist allerdings nicht so und Großereignisse wie die Wiedervereinigung waren im deutschen Generationenvertrag nicht einkalkuliert. Daraus resultiert eine wahrgenommene Ungleichbehandlung der verschiedenen Generationen. Wie anfangs geschrieben basieren Entwicklungen auf Wellenbewegungen. Erst musste der Minimalismus sein, dann war er verpönt und heute steht er stellvertretend für ein freies und selbstbestimmtes Lebensgefühl. Somit ist der Minimalismus nicht als Indiz eines Konfliktes anzusehen, sondern vielmehr ein Ausdruck des großen Umdenkens der letzten hundert Jahre.

„Generation y fragt hingegen, warum sie mehr Konsum noch glücklicher machen soll?“

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