Minimalistische Mode

Minimalistische Mode & Komikfiguren: Ein Erlebnisbericht zum Thema Messebesuch

Du hast Dich schon immer gefragt, was einen guten Messekontakt ausmacht? Dann habe ich heute kein gutes Beispiel für Dich – dafür aber ein unterhaltsames zum Thema minimalistische Mode und Komikfiguren. Eben komme ich von der alljährlichen Internet World Messe in München zurück und es zuckt mir in den Fingern, diesen kleinen Erlebnisbericht zu verfassen.

 

„Was nehmen Sie vom heutigen Messetag mit?“

 

Seit heute morgen um neun Uhr jage ich voller Elan von Stand zu Stand und Vortrag zu Vortrag. Keine Messehalle ist zu weit, kein Small Talk zu lang. Menschen und Dienstleistungen sind mal mehr und mal weniger interessant, aber als ich gegen halb sechs abends mit meinem Business Partner den letzten Vortrag verlasse, weiß ich eines sicher: Ich brauche jetzt erst mal einen grünen Tee und fünf Minuten Sprechpause. Da wartet auch schon die unerwünschte Überraschung auf uns: Direkt hinter dem Rednerbereich, hat sich ein Herr im Anzug positioniert, der nun zielstrebig auf uns zusteuert. Das Logo auf seiner Brust springt mir ins Auge. Auf dem Stand hinter ihm prangt das gleiche Geschnörkel. Aus dem Augenwinkel nehme ich Komikfiguren wahr. Der Herr im Anzug wirkt wenig entspannt, als er fragt: „Was nehmen Sie vom heutigen Messetag mit?“. Ich lächle möglichst unverbindlich und sage knapp: „Viel Information.“

„Viel Information.“
6000 das Premium-, 3500 das Basispaket

 

Der Anzugträger richtet sein Wort an meinen Business-Partner. Dieser schenkt der Beantwortung der Frage etwas mehr Aufmerksamkeit. Wie schön, denke ich, dann können wir ja jetzt gehen, wenn da nicht: „Wir machen professionelle Erklärfilme – nur eine Minute lang… Mit wunderbar hand-animierten Komikfiguren. Ein Drehbuchautor kümmert sich um die Geschichte.“ Es kommt, was kommen muss. Der Herr will uns nicht nur nach einem interessanten Vortrag nerven – nein, er will auch noch was verkaufen. Leider meint mein Business-Partner just in diesem Moment, er habe bereits in letzter Zeit über die Einbindung eines Erklärvideos auf der Website nachgedacht. Oh nein, denke ich, aber es ist zu spät: „Das ist doch sicher ziemlich teuer?“, sagt er. „Ach, sehen sie da links die Videos“, gibt der Anzug mit angespannten Gesichtszügen zurück, „Da sehen Sie auch Preise. 6000 für Premium und nur 3500 für das Basispaket“. Erschüttert blicke ich auf die grauenhaften Komikfiguren, deren ein-minütige Performance so viel Geld kosten soll. „Ist ja fast ein Schnäppchen“, sagt mein Business-Partner und würzt die Worte mit einem ironischen Grinsen. Der Anzug lacht laut vor Verunsicherung auf.

 

Schlaftablette zur Verstärkung geholt

 

„Da gibt es doch auch Internetservices jetzt, die Baukästen anbieten. Natürlich ohne Drehbuchautor, aber das kostet dann nur 100 €. Wie passt denn das zusammen?“, frage ich möglichst naiv. „Das Konzept… blablabla, der Drehbuchautor… blablabla“, sagt der Herr. Ich fühle mich kurzzeitig unterhalten, dann droht der Herr einen Kollegen hinzuzuholen. Der Kollege sieht nach diesem ersten Messetag bereits wie eine Schlaftablette aus und ebenso wirkt er als Verstärkung auch. Ich denke nur an die U-Bahn, die wir gerade versäumen, und gehe bereits körperlich auf Distanz. Mein Business-Partner wahrt die höfliche Form.

 

„Ich denke nur an die U-Bahn, die wir gerade versäumen, und gehe bereits körperlich auf Distanz.“
Wie schön, dass wir alle in München wohnen

Nachdem sich alle darüber gefreut haben, dass alle in München wohnen, geht es wieder ums Geschäft. „Es wäre schon sehr wichtig, dass auf den Videos Personen – also echte Personen zu sehen sind“, merke ich in der Hoffnung an, dass das nicht dem Leistungsspektrum der beiden Herren entspricht. Die Schlaftablette antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Wir bieten auch Strichmännchen an!“. Ich platze vor Lachen (nicht allein) und es ist mir noch nicht einmal unangenehm.

 

Minimalistische Mode – geht’s da um Bikini und Tangas?

 

Als wir uns wieder beruhigt haben, sage ich: „Es wäre schon wichtig, echte Personen zu sehen, um Persönlichkeit und echte Werte zu transportieren. Mit den YouTube Videos für meinen Blog habe ich noch keine schlechte Erfahrung gemacht Gesicht zu zeigen.“ „Über was geht denn Ihr Blog?“, will der Anzugträger wissen. „Minimalistische Mode“, antworte ich. „Wow“, reagiert da die Schlaftablette, „Geht’s da so um Bikini und Tangas oder was?“ Mir bleibt fast die Spucke weg, doch ich sage: „Es geht um hundert schwarze Kleidungsstücke.“ Die Schlaftablette verteidigt: „So ein männlicher Gedanke kann ja ganz lustig sein.“ Der Anzug versucht zu retten, was es nicht mehr zu retten gibt: „Geben Sie mir doch bitte die Web-Adresse. Als Konsumverweigerer ist Minimalismus ja voll mein Ding.“

 

Das Kopfkino meines Gegenübers will ich nicht kennen

 

Endlich ist der Zeitpunkt gekommen sich zu trennen. Mein Business-Partner und ich lachen den gesamten Weg zur U-Bahn über diese gratis Comedy-Show. Aber mal ehrlich – wer will schon nach einem langen Messetag so penetrant festgehalten werden? Und mal ehrlich, wer will dann noch das blöde Kopfkino seines Gegenübers zum Thema minimalistische Mode kennen, wenn er eine Frau vor sich stehen hat? Ich will nicht wissen, woran der Typ gedacht hätte, wenn ich gesagt hätte, dass ein weiterer meiner Blogs „Bewusstlust“ heißt. Ach ja, und nicht vergessen: Es reicht nicht nur viel Information von einer Messe mitzunehmen, eine witzige Geschichte zum Schluss muss dabei sein. 😀

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