Sparen: Wer spart vertraut auf spaeter

Sparen: Wer spart, vertraut auf später

Sparen ist der deutsche Fluch und Tugend gleichermaßen. Einerseits ist es der Sparsamkeit zu verdanken, dass aus dem wenigen mehr werden kann. Mit mehr kannst Du investieren, um noch mehr aus dem mehr zu machen. Das noch mehr führt zu noch mehr Investition und noch mehr Investition schafft noch mehr Angst, das Gewonnene wieder verlieren zu können. Verlieren können, was Du gewonnen hast, bedeutet Verlust. Es ist weder gut noch befreiend. Die Sparsamkeit steigert also die Chancen auf Gewinn und die Ängste vor Verlust. Daher die Frage, was es mit der Sparsamkeit auf sich hat, in welchen Bereichen sie sich ausdrückt und was sie mit Dir macht.

Dinge aufsparen

Deine Großeltern waren sicher keine Minimalisten aus Passion, sondern die Umstände ließen ihnen keine Wahl. Für sie war es selbstverständlich die Sonntagskleidung zu schonen, die feinsten Tropfen für besondere Momente aufzusparen und die teuersten Geschenke in Kisten und Schachteln im Kleiderschrank für die Enkel und Urenkel zu bunkern. Für deine Eltern war das Aufsparen nicht ungewöhnlich. Für Generation Y wird es immer gewöhnlicher den Moment zu leben – in besten Kleidern, besten Schuhen erlesene Tropfen zu genießen. Was Du hast, kann Dir niemand mehr nehmen. Kurz ist das Leben, heiter ist die Kunst.

Wozu Dinge aufsparen, die den Moment schöner machen? Das tut nur, wer an eine reiche Zukunft glaubt und hofft, dass ihm die angesammelten Dinge dann gute Dienste leisten können. Problem an dieser Hoffnung ist, dass sich der Stil und Geschmack über die Zeit hinweg ändern mag. Die Kleider meiner Kindheit werden nicht die Kleider meiner Kinder sein. Was ich gut finde, kann und wird sehr wahrscheinlich in 50 Jahren aus der Mode sein. Das Aufsparen von Dingen macht das Leben also nicht unbedingt reicher, aber es sorgt dafür, dass Du Dich mehr auf die Zukunft freust. Zudem brauchst Du mehr Stauraum für die Dinge, eine größere Wohnung und ein steigendes Gehalt. Dein Konsum sichert das Wirtschaftswachstum.

Geld aufsparen

Das Gehalt bringt uns zum Thema Geld. Die Deutschen sparen gern – auf jeden Fall mehr als andere Nationen. Während das Leben in Amerika ohne Kreditkarte undenkbar ist, bevorzugen die Deutschen noch den Kauf auf Rechnung, Lastschrift oder via Überweisungsauftrag. An sich ein gutes Zeichen, denn der Kauf auf Raten und Kredit ist ein kurzes Glück. Das neue Auto steht sofort in der Garage, das neue Smartphone liegt gut in der Hand und die Waschmaschine schleudert sich schwindelig, aber die kleinen monatlichen Raten addieren sich auf. Unterm Strich steht jeden Monat eine Summe, die sich zu den Lebenshaltungskosten gesellt. Die Gesamtsumme aus beidem sollte natürlich unter den monatlichen Einnahmen bleiben, damit noch Raum und Mittel für Träume bleiben. Andernfalls hast Du schwarz auf weiß über deine Verhältnisse gelebt.

Wer spart, dem kann das nicht passieren. Wer spart, der kann das Geld mit gutem Gewissen ausgeben und genießen. Das wäre eine logische Konsequenz, wenn Du ein Gegenmodell zum Leben auf Pump suchst. In Wahrheit ist das nur die halbe Wahrheit: Wer heute spart, der zahlt. Auf dem Sparbuch gibt es keinen Zins, auf dem Girokonto gibt es keinen Zins, aber dafür knabbert die Inflation fleißig am Ersparten. Das klassische Sparen lohnt nicht mehr. Wer aus wenig Geld noch mehr machen will, muss schon den Schritt in Richtung Aktien- oder Ressourcenhandel gehen. Das ist nicht jedermanns Vergnügen, denn eine erfolgreiche Geldanlage bedeutet Zeit und Leidenschaft an der Sache sowie ein Grundverständnis für wirtschaftliche und finanzpolitische Zusammenhänge. Wer das nicht hat, der könnte darüber nachdenken, etwas mehr Geld in die schönen Momente der Gegenwart zu investieren. Unglücklich wird es Dich nicht machen, solange Du nicht über deine Verhältnisse lebst.

Zeit aufsparen

Was Du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen, sagt der Volksmund. Das Wort „besorgen“ definiert bereits den Rahmen. Es geht um Pflichtbewusstsein und Disziplin, die Dir und deiner Zeitplanung einen roten Faden gibt. Du hast To Do Listen, um nichts zu vergessen. Du freust Dich über jeden Haken, den Du hinter eine Aufgabe setzen kannst. Kurzum: Du priorisierst, um deine Zeit sinnvoll und effektiv zu nutzen. Yes, you can.

Was passiert, ist, dass die Zeit für Weile kürzer wird. Das ist nicht schlimm, aber ein Thema, das Bewusstsein erfordert. Wie viel Zeit nutzt Du effektiv, bis Du Dir Erholung gönnst? Wie viel Ruhe tut Dir gut? Wie viel Zeit bleibt nur für Dich? Werde Dir dessen bewusst, dass das Leben sich stets ändern kann und es Abenteuer gibt, die der Jugend vorbehalten sind. Nicht alles lässt sich auf später aufsparen. Vielleicht hast Du dann zwar die Zeit dazu, aber nicht mehr die Möglichkeiten. Der Standardspruch, dass Kinder und Familien unflexibel machen, ist vielleicht abgedroschen, aber wohl wahr. Ein Papa auf Backpacker-Weltreise gilt weniger als cool, denn verantwortungslos. Warum wartest Du also auf himmlische Zeichen, um Dir Entspannungsphasen zu gönnen? Es sind die Zeiten, die Du nie vergessen wirst. Schließlich sind es immer die Auszeiten, die Du nicht genommen hast, die Dich quälen – nie die Abenteuer, die Du Dir erlaubt hast.

Leben aufsparen

Viel gibt es dem nicht hinzuzufügen. Das meiste zum Thema Sparsamkeit ist bereits gesagt. Die geschonten Lieblingsstücke trägt niemand mehr, das gesparte Geld wird auf dem Sparbuch nicht mehr, ein Mangel an schönen Momenten fällt schwer und alles, was tröstet, ist der Glaube an ein Leben im später und danach. Jung bist Du später nicht mehr, auch die körperliche Belastbarkeit nimmt mit steigender Lebenserfahrung ab. Vielleicht gibt es ja Wiedergeburt, darauf verlassen solltest Du Dich aber nicht.

Comments

  1. Sparen gehört in vielen Bereichen einfach zum Leben dazu. Finde diesen Artikel daher wirklich toll. Sollte man sich in jedem Fall einmal genau durchlesen. Das wird den ein oder anderen vielleicht zum Nachdenken anregen.

  2. Pingback: Ein bewusstes Leben - Was erwartet Dich? | Bewusstlust

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