Ungeplantes Marketing bei Edeka

Ungeplantes Marketing bei Edeka

Was mich heute beeindruckt hat? Es klingt schon fast zu unwirklich, um wahr zu sein. Vielleicht glaubt ihr mir auch nicht, aber heute ist mir gezwungenermaßen das Vertrauen im Supermarkt begegnet – bei Edeka.

Ein lustiger Zufall, dass ich eben heute mein Sparschein geleert habe. Ein Sparschwein im eigentlichen Sinne ist es zwar nicht, weil als Minimalistin sammle ich das Kleingeld in einer schlichten schwarzen Box. Diese wollte ich schon lange leeren, um mich auch endgültig von der Sparbox zu befreien. Vorab gezählt, befanden sich in der Box exakt 35 Euro.

Mit Einkaufsliste und dem abgezählten Geld ging ich los. In der nächsten Edeka-Filiale angekommen, überlegte ich beim Anblick der langen Warteschlangen für den Bruchteil einer Sekunde auf dem Absatz kehrt zu machen und mein Kleingeld für einen Einkauf am Wochentag aufzusparen. „Jetzt oder nie“, dachte ich und stürzte ins Getümmel. So weit, so gut – bislang keine große Story.

An der Kasse lauerte dann die große Überraschung. Die Filialleiterin verkündete: „Heute gibt es Schätzkasse. Das Kassensystem ist abgestürzt und jeder Versuch der Wiederbelebung bislang erfolglos. Wir schätzen ihren Einkaufswert.“ Klingt ja spannend, denkt man sich und hört die ersten Kunden schmunzelnd kommentieren: „Alles nur ein Euro, ist doch klar.“

Nachdem vor mir drei Flaschen Bier, ein Bund Bananen und ein Päckchen Kaugummi für geschätzte 5 Euro den Besitzer wechseln, lege ich ein Kilo Spargel, Früchte, Haushaltsreiniger, Smoothie und Co für überschlagene 35 Euro aufs Band. „Mein Einkauf entspricht circa der 35 Euro in Münzen,“ sage ich der Verkäuferin. Sie lacht angesichts der vielen Münzen. „Das trifft sich gut,“ sagt sie und drückt mir wiederum drei Euro in die Hand. „Jeder bekommt heute einen Nachlass. Das ehrliche Schätzen soll nicht benachteiligt werden. Einen Teil gebe ich Ihnen daher zurück.“

„Das ist nett“, bedanke ich mich und bin einen Moment lang überwältigt von diesem Vertrauensbeweis in einem deutschen Supermarkt. „Unglaublich, dass so etwas in der heutigen Zeit noch möglich ist,“ denke ich und frage mich, ob einfach nur ab und an das Kassensystem abstürzen muss, um die Menschheit aus ihrem präzisen Zahlenrad zu befreien. Hier und heute scheint es so. Natürlich würde es von dem einen oder anderen missbraucht werden, aber früher ging das doch auch?

Kurz denke ich an die bekannten Situationen, in denen Menschen ihre Handtaschen durchkämmen, um die fehlenden 20 Cent vom Rechnungsbetrag noch in den Untiefen aufzutreiben. Die Warteschlange rollt kollektiv die Augen zum Himmel, während der Verkäufer entnervt darauf wartet, die Erwartungen der Kasse zu stillen. Ein absurdes Bild, das dennoch vertrauter wirkt als die Schätzkasse des heutigen Tages. Nicht, dass ich den Sinn von Kassensystemen gänzlich in Frage stellen will. Kassen haben natürlich ihre faire Berechtigung. Es ist viel mehr ein Gedankenspiel. Was wäre, wenn?

Das Gefühl, das die Kunden des Tages mitnehmen, hätte keine Marketing-Abteilung besser planen können. Die Schätzkasse wirkt emotional und viral. Dieser Blog-Artikel ist der beste Beweis dafür. Edeka, das habt ihr euch nicht ausgedacht, aber wirklich gut gemacht.

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