Bewusstlust_Was sind die zwei essentiellen Elemente des Minimalismus

Was sind die zwei essentiellen Elemente des Minimalismus?

Minimalismus ist im Wesentlichen das Zusammenspiel aus zwei Elementen: dem Loslassen vom Haben und dem Hinterfragen des Wollens. Die Kernfrage hinter allem ist: Was brauche ich wirklich?

Schritt 1: Loslassen vom Haben

Wer das Leben einfacher machen will, muss sich zunächst von den vielen Dingen befreien, die uns das Leben im Überfluss beschert. Doppelt und dreifach häufen wir Artikel an und wenden viel Zeit und Arbeit dafür auf, um uns das materielle Glück ermöglichen zu können. Der erste Schritt ist es also das bunte Sammelsurium an Gegenständen bewusst zu hinterfragen und uns von all dem zu trennen, was wir nicht brauchen und uns nicht einmal mehr Freude bereitet. Die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo sieht in diesem Grundsatz den Schlüssel zum Erfolg. Es eröffnet uns ein neues Verständnis für die Wertigkeit der Dinge, das wir im Überangebot der modernen Industrienationen oft verdrängt haben. Oft gehört, weil doch so wahr: Weniger ist mehr. Soviel zur Theorie, doch wie sieht das Loslassen vom zu viel Haben in der Praxis aus?

Minimalismus-Tipps, um sich von überflüssigen Dingen zu trennen

  1. Vorher – Nachher Bilder: Bilder helfen uns Entwicklungen zu visualisieren. Das ist insbesondere hinsichtlich dem Loslassen von Dingen eine große Motivation. Zum Start also erst einmal ein Bild vom Ist-Zustand machen.
  2. Aufräumen mit System: Wer sich von Zimmer zu Zimmer arbeitet, von Schrank zu Schrank, der übersieht nichts und kann sich der Herausforderung auch nicht so leicht entziehen. Es empfiehlt sich entsprechend der KonMari-Methode mit der Kleidung zu beginnen, den Büchern fortzufahren, dann Bücher, Kleinkram und schlussendlich die Sammlung an Erinnerungsstücken zu hinterfragen.
  3. 3 Dinge nur: Wer sich vor der Vision fürchtet über Nacht in einer leeren Wohnung zu erwachen und befürchtet er könne das vertraute Durcheinander schmerzlich vermissen, dem empfehle ich die sanfte Methode: Jeden Tag 3 Dinge nur – davon kannst Du Dich leicht trennen. Nimm sie einfach morgens mit, wenn Du die Wohnung verlässt. Auf diese Weise lässt Du langsam von unnützen Dingen los und vermeidest den Schock abrupter Leere in den vier Wänden.
  4. Einfach leben: Einfach bedeutet auch, dass Dinge nicht doppelt und dreifach zum Leben nötig sind. Falls Du also drei Töpfe besitzt – frage Dich, welchen Du am häufigsten nutzt und befreie Dich von den anderen.
  5. Verbannung auf Probe: Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du eine Sache wirklich nicht mehr brauchst, dann packe sie in eine Kiste und verbanne sie in den Keller. Wenn Du die Sache einen Monat lang nicht vermisst hast, dann kannst Dich getrost davon trennen.
  6. Verkaufen hilft: Oft ist der Gedanke schmerzlich Dinge, die Dir einmal lieb und teuer waren, einfach in den Müll zu werfen. Eine nachhaltigere Entsorgungs-Lösung hilft Dir und deinem Gewissen sicher, um Dich leichter trennen zu können. Daher versuche Ausrangiertes via eBay oder Kleiderkreisel zu verkaufen. Falls es keinen zahlenden Abnehmer gibt, dann kannst Du immer noch überlegen, wem Du vielleicht mit einem Geschenk noch eine Freude machen kannst.
  7. Teilen und ausleihen: Dinge, die wir selten verwenden, können wir oft auch gut mit anderen teilen oder ausleihen. Das ist sehr viel günstiger und zudem viel kommunikativer als alles selbst für den Fall der Fälle im Keller zu horten.
  8. Checkliste führen: Schreibe Dir eine Checkliste der Wohnungsbereiche, die es zu entrümpeln gibt. Jeder abgehakte Bereich ist ein Erfolgserlebnis.
  9. Pausen machen: Ein Aufräumtag kann anstrengend sein, denn Du musst ständig Entscheidungen treffen, ob Du etwas behältst oder nicht. Kleine Pausen halten die Motivation oben und vermeiden ein vorschnelles Aufhören, wenn die Lust schwindet.
  10. Ziel definieren: Werde Dir darüber klar, wie viel Du tatsächlich zum Leben brauchst und was Du durch die Reduktion von Dingen gewinnst: Flexibilität? Freiheit? Zeitgewinn? Differenzierung?

Schritt 2: Hinterfragen des Wollens

Wer sich nun vom zu viel Haben befreit hat läuft schnell Gefahr durch das Wollen innerhalb kürzester Zeit wieder soviel Neues angeschafft zu haben, dass er wieder mit Schritt 1 von vorne beginnt. Der Kreis aus Wollen und Haben, Haben und Loslassen ist ein endloser – was an und für sich auch nicht verwerflich ist solang der Zyklus in harmonischer Balance steht. In einer Konsumgesellschaft beschleunigt sich dieses Rad jedoch zusehends. Ergebnis ist die sogenannte Wegwerfgesellschaft. Die Dinge verlieren an Wert für den Besitzer und sind unendlich austauschbar. Stets lockt ein größeres, besseres, neueres, innovativeres, multifunktionaleres Produkt auf dem Markt. Es ist der Wachstumstreiber, der den Markt anfeuert. Bewusster Konsum – so die allgemeine Meinung – bremst das Wachstum. Ohne einem aktiven Hinterfragen der eigenen Produktwünsche drehen wir uns jedoch im Rad. Was also tun, um mit unserem Wollen bewusster umzugehen und nicht gleich in ein Haben zu übersetzen?

Minimalismus Tipps, um Neuanschaffungen zu hinterfragen

  1. Wunschlisten schreiben: Schreibe eine Wunschliste der ersehnten Dinge und gib Dir entsprechend Zeit diese Wünsche zu überdenken. In vielen Fällen wird ein Wunsch mit der Zeit schwächer, erweist sich als weniger dringlich oder stellt sich als überflüssig heraus. Überarbeite die Liste jeden Monat – Du wirst sehen, wie viele Wünsche sich am Ende in Wohlgefallen auflösen.
  2. Nutzen und Vorteil definieren: Brauchst Du das wirklich? Wenn ja, warum? Das sollten die Fragen sein, die Du Dir stellen und vor allem auch beantworten solltest. Oft sind wir in Versuchung diese Fragen unbeantwortet zu lassen und einfach zu kaufen. Das führt dazu, dass wir dann Dinge aus emotionaler Überzeugung kaufen, für die es eigentlich keine klare Notwendigkeit gibt.
  3. Ersatz überdenken: Es gibt viele Artikel, die einfach nachgekauft werden, weil etwas kaputt gegangen ist. Es kann eine neue Perspektive geben, wenn Du Dich fragst, ob der Ersatz wirklich erforderlich ist. Oft sind es Dinge an die wir uns über die Zeit gewöhnt haben, obgleich wir sie kaum benutzen.
  4. Fehlkäufe meiden: Regelmäßig aufräumen hilft, denn wenn alles stets an seinem Platz ist, behältst Du auch leicht den Überblick im Haushalt. So lassen sich Doppelkäufe effektiv vermeiden.
  5. Auf Qualität achten: Mit der Produktqualität verbunden ist meist eine hohe Langlebigkeit und Beständigkeit, die dem häufigen Ersatz von Produkten vorbeugt. Lieber bei der Anschaffung einmal etwas mehr bezahlen, aber dann auch länger mit dem Artikel glücklich sein. Das schont unterm Strich Geldbeutel und Ressourcen.
  6. Wegwerfprodukte vermeiden: Es gibt klassische Einmalprodukte wie Plastikgeschirr, Portionierter Brotaufstrich, Einmalhandschuhe – überdenke hier, welche nachhaltigeren Alternativen es gibt und ob Du auf vieles nicht gänzlich verzichten kannst.
  7. Vorräte reduzieren: Verzichte auf eine großzügige Vorratshaltung. Meist führt das dazu, dass Lebensmittel im Regal alt werden und schlussendlich im Müll landen. Das lässt sich vermeiden, indem man stets nur Lebensmittel für die nächsten Tage lagert und dann erst wieder nachkauft.
  8. Digitalisieren: Bücher, Filme und Bilder nehmen viel Platz in Regalen ein. Wer sich von Überflüssigem trennt und die Lieblingsbilder und Filme digitalisiert, hat es eindeutig einfacher. Bücher und Filme lassen sich digital genau so schön genießen.
  9. Werbekonsum reduzieren: Versuche Dich bewusst der Werbeverführung in TV, Kino, Magazinen und im Internet zu entziehen. Es ist nicht immer möglich, aber niemand hindert Dich daran in der Werbepause umzuschalten.
  10. Freude an der Vereinfachung: Mit die größte Motivation ist es, wenn sich der Haushalt zusehends vereinfacht und Du mehr Zeit für Hobbys gewinnst. Klare Flächen sind schneller zu putzen, wenig Haben ist schnell zu verwalten, Aufräumen ist keine Tagesaktion und das Bügeln beschränkt sich auf wenige Kleidungsstücke. Dieser Zeitgewinn für die schönen Dinge des Lebens ist sicherlich mit das stärkste Argument für einen minimalistischen Lebensstil.

Habt ihr noch weitere Ideen? Ich freue mich über weitere Tipps und Anregungen. 

 

Comments

  1. Ein richtig toller Artikel! Neulich habe ich mit einem Freund darüber geredet, wie viel wir haben und wie wenig wir doch brauchen. Als ich in Australien war, habe ich aus einem Koffer gelebt und selbst da habe ich gemerkt, dass ich 2/3 von meinen Sachen nicht gebraucht habe. Es ist traurig, dass wir im Überfluss leben und wo anders Menschen verhungern. Daher finde ich es absolut großartig, dafür zu plädieren, bewusster zu leben und auf das Unnötige zu verzichten. Also Daumen hoch für deinen Beitrag!

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